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Trauerlyrik

Heute bin ich den alten Weg gegangen. Den Wanderweg, von dem aus man die Wohnung sehen kann.
Wir sind ihn manchmal gegangen. Es ist lange her. Ich war noch ein Kind.
Ich erinnere mich kaum. Aber ich weiß noch, Du warst da.
Ich bin ihn später gegangen, mal allein, mal in Begleitung. Und von der Brücke aus schon konnte man die Wohnung sehen. Die kleinen Bäume und Pflanzen auf dem Balkon.
Und wenn ich näher kam, standest Du oft dort oben. Hast gewartet. Über meinen Weg gewacht. Dich gefreut.
Manchmal fühlte ich mich beobachtet. Überwacht. Aber ich wusste, Du warst da.
Vorhin schaute ich hoch zu der Wohnung. Es stehen wieder Bäume da.
Es ist schön, sie sieht wieder bewohnter aus. Die roten Lampen fehlen.
Dieser hässlichen Plastiklampen aus den 70ern. Die so grell waren, das sie Besuchern als Wegweiser dienen konnten, weil man sie schon von weitem erkannte.
Sie sind fort.
Du wohnst nicht mehr dort.
Alles ist anders.
Wohin soll ich jetzt nach Hause kommen?

Published inAnders-GefühltThema Tod

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