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Ab ins Camp

Bisher hatte ich mich der Verlockung des NaNoWriMo entzogen, einer jährlich stattfindenden Veranstaltung mit dem Ziel, in einem Monat  einen Roman – oder zumindest einen großen Teil davon – mithilfe virtueller Mitstreiter auf der gleichen Strecke abzuschließen. Es klang mir zu sehr nach Streß und der Gefahr falscher Prioritäten. Überhaupt, es wäre übers Knie gebrochen gewesen: Wie sollte ich ein Textziel von 50.000 Worten in einem Monat aus dem Stehgreif schaffen, wenn alles, das mir zu dieser Zeit durch den Kopf ging, noch dazu eine Menge Recherche gebraucht hätte? Noch dazu fehlte mir dabei etwas Greifbareres als eine bloße Zahl, ein Vergleich von Zahlen am Tagesende; von dem oft genug zu erwartenden darauffolgenden Frust ganz abgesehen.

Diesmal ist es anders.

Erst einmal ist April. Ähm.

Richtig. Von einer befreundeten Autorin, Mela Eckenfels, habe ich von einem Ableger des Ganzen erfahren: Camp NaNoWriMo. In einer virtuellen Bloghütte, je nach Vorliebe rein gedacht bis hin zu – virtuell – beziehbaren Zelten, Wägen und Hütten auf Second Life sitzt man für sich allein oder in kleiner Schreibgruppe und, ja, schreibt.

Nun habe ich einige Themen auf meiner ToDo-Liste, aber eines sprang mich die letzten Wochen förmlich immer wieder an. So warf ich einen Blick auf die Camp-Seite und fühlte mich spontan an Filme über amerikanische SommerCamps erinnert (Na gut, an die Bugs Bunny Show und an Addams Familiy). Das war lustig genug, um mich zu registrieren. Dank Mela kam ich auch direkt in ein „Camp“ hinein, das noch dazu aus einer Reihe freundlicher Zeitgenossen besteht, welche erst einmal virtuellen Rotwein verteilten, während sie das virtuell Feuer für die – leider – nicht weniger virtuellen gerösteten Marshmallows bereiteten.

Okay, da bleib‘ ich.

Um trotz meines üblichen Idealismus das Schreibziel etwas realistischer erscheinen zu lassen, setzte ich es erst einmal von 50.000 auf 20.000 herunter. Das „Camp“ bietet neben Unterhaltung und gegenseitigem Aufbauen noch eine Menge Resourcen wie Schreibtips, Statistiken, Merchandise (nicht dringend, aber das Feeling, you know) und Sponsorenangebote. Mir persönlich gefällt nicht zuletzt einfach die knuffige Optik mit grün-blauer Landschaft im Hintergrund, Holzbalken als Menü und der Zielscheibe, auf welcher der Pfeil den 100% in der Mitte schon ein Quentchen näher gerückt ist. Alles etwas Comicstil vielleicht, aber genau deswegen.

Die Camp-Regeln, die zum Beispiel für Recherche- und Editierarbeit auch Wörter zählen, geben mir einerseits ein bißchen schlechtes Gewissen. Andererseits helfen sie aber nicht nur, die Angst vor der großen Zahl zu reduzieren, sondern vor allem dabei, die ja wirklich notwendige Arbeit überhaupt wahrzunehmen und wertzuschätzen. Gut, plus sie anzugehen, die Zahl soll ja wachsen.

Noch ausgestattet mit dem Write-o-meter, der es mir zusätzlich erleichtert, meine Arbeitszeit sowohl zu tracken als auch in verdauliche produktive Häppchen zu unterteilen, sitze ich nun also seit gestern am virtuellen Lagerfeuer und haue in die Tasten.

Immerhin, die Zahl 3300 bei allem, was ich sonst noch zu tun hatte, sieht schonmal gut aus. Mal sehen, wie es weitergeht.

Marshmallow, anyone?

Published inAusprobiertSchreibwut

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